Rasant auf vier Rädern und im Ring

Rasant auf vier Rädern und im Ring

Hammerwerfer Tristan Schwandke vom TV Hindelang ist nicht nur im Hammerwurfring ausgesprochen sportlich unterwegs, sondern auch auf vier Rädern. Im Rahmen seiner Bachelorarbeit an der Fachhochschule Kempten nimmt der Athlet unter der Leitung von Prof. Bernhard Schick aktiv an einer umfassenden wissenschaftlichen Studie teil, deren Kern die vergleichende Analyse von Stressbelastungen beim Autofahren und Hochleistungssport bildet. Schick ist übrigens dem Leistungssport persönlich ebenfalls sehr verbunden. Als Grand-Prix-Motorradrennfahrer ist er national und international ausgesprochen erfolgreich gewesen. 1996 wurde er deutscher Meister. Die Leidenschaft mag wohl auch mit ein Beweggrund gewesen sein, sich nach Beendigung seiner Karriere wissenschaftlich der Fahrzeugtechnik zu widmen. Und nicht zuletzt seine persönliche Affinität zum Leistungssport sorgte dann für den Brückenschlag, im Rahmen eines Forschungsprojekts Analogien zwischen Leistungsport und Extremsituationen im Fahrzeug herzustellen. Tristan konnte sich sofort für dieses Projekt begeistern.

Um valide Ergebnisse zu bekommen, muss sich der Maschinenbaustudent mit verschiedensten Messinstrumenten, dem so genannten „Biopac“ ausstatten lassen; komplett verdrahtet, werden bei verschiedenen Fahrmanövern und Geschwindigkeiten bis in den Extrembereich sein Puls (PPG), die Hautleitfähigkeit (EDA), die Atmung (RSP) und die Herzrate (ECG) gemessen. Gleichzeitig werden Millionen Daten des ebenfalls mit modernster Messtechnik ausgestatteten Sportwagens erfasst. Bei diesem Forschungsvorhaben geht es unteranderem darum, zu ermitteln, inwieweit sich physische Veränderungen beim Menschen in Abhängigkeit von fahrdynamischen Parametern ergeben. Kommt es etwa in Extremsituationen zu einer signifikanten Erhöhung der Herzrate? Und wenn ja, wie lange hält diese an und welche weiteren physischen Auswirkungen hat diese Situation.

Abgebildet werden dabei möglichst viele reale Fahrsituationen, für die der Fahrer einen vorgegebenen Plan abarbeiten muss. Dazu zählt beispielsweise auch die Nutzung eines Handys während der Testfahrt. Da diese gegen die Straßenverkehrsordnung verstößt, wurden die Messungen auf der ADAC Fahrsicherheitsanlage in Kempten durchgeführt; letztlich stellt die Nutzung des Handys eine Alltagssituation dar – wenn auch eine unerwünschte.

Nach seinen anstrengenden Testfahrten startete Tristan am Donnerstag im Hammerwurfring in Bad Hindelang zum Sporttest. Dazu waren neben zahlreichen Mitgliedern des wissenschaftlichen Teams und dessen Leiter, Prof. Bernhard Schick, auch der Bad Hindelanger Tourismusdirektor Maximilian Hillmeier und die Redakteurin Theresia Keck vom Allgäu-TV in die Hammerwurfarena des TV Hindelang gekommen. Auf dem Tagesprogramm stand die Rekonstruktion einer realen Wettkampfsituation: Aufwärmen, Einwerfen und sechs Wettkampfwürfe. Bereits in den Morgenstunden zeigte das Thermometer 28° C bei hoher Luftfeuchtigkeit, sodass es für die angehende Psychologin, Corinna Seidler, nicht so leicht war, die vielen erforderlichen Messpunkte auf Tristans Körper zu befestigen. Am Ende war der Versuchsaufbau erfolgreich und Tristan konnte seinen Solowettkampf absolvieren. Und er beendete den Testwettkampf trotz „Oberkörperverdrahtung“ mit einer Tagesbestweite von 69,58 Metern im letzten Wurf.  Nach fast drei Stunden war der Testtag beendet und Tristan war physisch immer noch in der Lage, dem Allgäu-TV ein längeres Interview zu geben. Die Wissenschaftler des Forschungsteams „Human Factors“ nehmen die Daten nun für eine vergleichende Analyse mit an die Hochschule Kempten. Auf die Ergebnisse darf man schon jetzt gespannt sein. Fließen sie doch in die Entwicklung moderner Fahrzeugtechnik ein. Dabei stehen Fahrassistenzsysteme und das Thema autonomes Fahren im Fokus.

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