Algorithmen sollen nun den Medaillenregen für Deutschland bringen! – DOSB und Politik mal wieder völlig realitätsfremd!

Beitrag von Tristan Schwandke:
Algorithmen, die die Erfolgsgarantie von Disziplinen ermitteln sollen, um das Versagen des deutschen Sportfördersystems der letzten Jahre in “naher” Zukunft zu verhindern, ist eines der unsinnigsten Geldschleuderprojekte der deutschen Sportfördergeschichte.
Dabei wird nicht das Problem an der Wurzel gepackt, sondern durch Opferung hunderter fleißiger und aufopferungsvoller Sportler, einige wenige gefördert. Das ist doch nicht der Sinn des Olympischen Gedankens.
Um das nochmals für diejenigen zu erklären, die noch nicht von diesem NEUEN Fördersystem Kenntnis genommen haben. Ein Programm soll nun aufgrund verschiedener Parameter erfolgversprechende Disziplinen herausfiltern, die potentielle Chancen auf Medaillen bei internationalen Wettkämpfen haben. Diese Disziplinen bekommen dann die entsprechende Förderung, wobei gleichzeitig die anderen weniger oder keine Förderung mehr erhalten, da das System diese nicht länger als erfolgsversprechend bewertet.
Also kurzum, es werden noch weniger Sportler als bislang gefördert und diese sollen dann mehr Medaillen generieren. Jeder der einen gesunden Menschenverstand hat, erkennt, das solch ein eingeschlagener Weg unserer Sporteliten beim DOSB und in der Politik nur auf dem Holzpfad enden kann. Denn Geld löst in unserem maroden System nicht alle Probleme. Man muss das Übel doch an der Wurzel packen. Und das bedeutet zunächst, nach dem Pyramidensystem Nachwuchs zu generieren. Aus hundert Athleten kommt viellicht ein einziger in die erweiterte Weltspitze. Aber um Nachwuchsathleten in einen Verband zu bekommen, müssen zunächst die “Dorfvereine”entsprechend neue Sportler erhalten. Aber die fallen bekanntlich auch nicht vom Himmel. Hier sind wir nun an der Wurzel angekommen, dem Schulsport. Mangelhafter Sportunterricht mit inkompetenten Lehrkräften und Reduzierung der Bundesjungendspiele sind der Anfang vom Ende. Hier muss vor allem von politischer Seite aufgearbeitet und nachgebessert werden. Mehr Schulstunden Sport, Sport als Vorrückungsfach, das die ignorante und desinteressierte junge Generation zur sportlichen Teilnahme zwingt (funktioniert in den natur- und geisteswissenschaftlichen Fächern auch) und eine bessere Ausbildung neuer Sportlehrer, die den Sportunterricht wieder als ein Lebenselixier betrachten und nicht als gemütliche Kaffeerunde.
Auch ist eine fortschreitende Zentralisierung eine absolute Katastrophe für Nachwuchsförderung. Der DOSB reduziert nun die Olympiastützpunkte von 205 an der Zahl auf 165. Man muss sich schon manchmal fragen, wie man auf solch einen Blödsinn überhaupt kommen kann. Der Fußball, unabhängig vom Geld, macht es doch vor, denn Schweinsteiger, Müller und Co. kommen nicht aus den großen Zentren, sondern aus Dorfvereinen.
Und all das würde noch lange keine Medaillen sicherstellen, denn in der heutigen Zeit des “Spritzensports” ist es für saubere deutsche Athleten fast unmöglich dauerhaft mit der Weltspitze mithalten zu können. Vielleicht sollte stattdessen in eine vereinsinterne Apotheke investiert werden. ??
Sind wir doch mal ganz ehrlich. Trotz des geringen Förderengagements der Politik könnte man mit dem jetzigen Geld mit großer Sicherheit schon viel bewegen. Weniger südafrikanische Trainingsurlaube und weniger Funktionärsgelder wären ein Anfang.

ZDF Sportstudio – Diskussion: https://www.zdf.de/sport/das-aktuelle-sportstudio/das-aktuelle-sportstudio-vom-12-november-2016-100.html

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Comment
  1. Tristan, Du hast sooo Recht ! Aber wir auf dem Dorf werdens nicht ändern. DLV und BLV jammern auch über weniger Geld, denken aber nicht daran, wie man selbst an Eigenmittel(siehe Skiverband) herankommen könnte. Schau, wir haben wieder mal ein 14jähriges “Werferlein”, der weiter geworfen hat als alle anderen bayerischen Hammerwerfer in dem Alter(Du weist selbst, das das noch lange nichts zu sagen hat). Er ist verdammt schnell, hat eine saugute mittige Spannweite etc.. Interessiert das im DLV/BLV jemanden, macht der Nachwuchs-Bundestrainer eine Sichtung/Perspektivbeurteilung ? Die Eltern des Jungen haben den Kaderrückmeldebogen des BLV(9 Forderungen aber keine konkrete Förderzusage, gar finanzielle Forderungen … !) jedenfals nicht unterschrieben, wollten den Jungen von der LA abmelden. Mich kostet so ein Schwachsinn viel Kraft, die ich gern in die Talente stecke. Wir fangen nun an, für unser nächstes überragendes Talent wie damals bei Kai Grüner und (kurz vor Abschluss) bei Simon Lang erneut ein regionales Fördersysthem(über eine private Stiftung, regionale Firmen, Ausbildungsplan) zusammenzubasteln, lange bevor DLV/BLV ohne Mittel das Talent vereinnahmen wollen. Vielleicht klappts diesmal, dass das Talent durchhält bzw. nicht wegbefohlen wird. Ich denke, anders kann es auch nicht in Hindelang laufen. Martin Ständner. P.S. In “LA” las ich, ” der Bundestrainer weis, warum Du stagnierst “. Ja … ???

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