Die Olympischen Spiele – ein Theaterstück mit gedopten Akten; und was es mit den 80 Metern auf sich hat

ein Beitrag von Elmo Schwandke:

Tristan wird in etwa vier Jahren seinen Leistungszenit erreichen. Wie der ausschauen wird und welche Wurfweiten damit verbunden sein werden, kann man heute noch überhaupt nicht vorhersehen. Für nahezu alle Kraftsportarten gilt, dass der ganzheitlich betrachtete Athlet im Alter von 28 (+/- 1 Jahr) bei unterbrechungsfreiem Trainingsverlauf seine maximale Stärke entwickelt hat. Die Kraftwerte bilden beim Hammerwurf lediglich einen Teilaspekt ab, die Technik ist ein nicht minder wichtiger Part. Tritt ein sehr guter Techniker, der kaum Krafttraining macht, gegen einen mittelmäßigen Techniker mit gutem Kraftpotential an, halten sich die Weiten die Waage. Kommt ein dritter mit hohen Kraftwerten hinzu, wird dieser die Nase vorn haben. Diese Technik eines Athleten kann man mit seinen Kraftwerten in einem Koordinatensystem in Beziehung zueinander setzen. Daraus ergeben sich je nach Gewichtung von Technik und Kraft unterschiedliche Kurvendiagramme, die aber exakt Aufschluss über die Möglichkeiten des Athleten geben – aktuell und in Zukunft. Man kann also in einem relativ frühen Stadium die Leistungen vorhersagen (ohne das Störgrößen wie Krankheiten etc. mit einbezogen werden). Unabhängig von Tristan, kann man festhalten, dass ein sauberer Hammerwerfer mit optimaler Genetik, bester Technik und daran angepassten Kraftwerten unserer Einschätzung nach keine Chance auf einen olympischen Sieg hat. Die minimale Möglichkeit, die bestehen bleibt, ist sozusagen der Lucky Punch im Hammerwurf. Wenn am Wettkampftag alles passt, Rotation, Geschwindigkeit und Winkel, kann ein Hammer einige Meter gut machen. Gleichzeitig müsste dieses freudige Ereignis natürlich bei der gedopten Konkurrenz ausbleiben. Deshalb gehen wir davon aus, dass Tristan niemals Olympiasieger werden kann. Auf die Frage, ob 80 Meter ungedopt möglich seien. Dazu ein kleines Beispiel aus den 80er Jahren, die ja so etwas wie die Hochzeit des Dopings waren. In der DDR wurde ja sogar staatlich organisiert gedopt und auch in der Bundesrepublik ging die Weisung raus, mit allen Mitteln für mehr Leistung zu sorgen. Als Journalist traf ich damals in einem norddeutschen Gewichtheberverein die Olympia-Mannschaft einer europäischen Nation mehrere Tage beim Training. Jeden Morgen setzten sie sich zusammen und wetteten darauf, wer heute im Training einen neuen Weltrekord reißt oder stößt. Und jeden Tag wurde jener Weltrekord (wenn auch nicht anerkannt) aufgestellt. Die jüngsten “Weltrekordler” waren keine 20 Jahr alt. Einige holten später olympische Medaillen. Biologisch und physiologisch ist eine solche Leistung in diesem Alter gar nicht möglich. Und deshalb waren die Papierkörbe auch jeden Tag mit Spritzen und Medikamentverpackungen gefüllt. Im selben Verein trainierte einer der jüngsten Weltmeister und Rekordhalter im Kraftdreikampf. Mit 19 Jahren war es für ihn kein Problem, mit einer 380-Kilo-Hantel Kniebeugen zu machen. Man sieht – Leistung ist kein Hexenwerk – es gehört nur der richtige Dopingcocktail dazu. Mittlerweile hat sich natürlich die Dopingmafia weiter entwickelt. Gegen die heute eingenommenen Präparate wirken Mittel aus den 80er geradezu homöopathisch. Insider witzeln gern, dass es bei einigen Mitteln bereits reiche, nachts neben der Hantel zu schlafen, um am nächsten Tag mehr Kraft zu haben. Grundsätzlich sind Weiten um 80 Meter oder auch jenseits davon vor diesem Hintergrund überhaupt kein Problem und auch von einem mittelmäßig begabten Werfer problemlos zu erreichen. Doch wie alles im Leben, könnte es einen Preis haben. Einige verlieren ihre Niere, mancher einen Hoden oder schon mal zwei, andere brauchen eine neue Leber, die meisten – impotent im Alter – Blutverdünner und nicht wenige sechs Bretter und eine Grube in der Größe 300 cm x 150 cm x 250 cm (je nach den örtlichen Bestimmungen der Friedhofsordnung).

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