Tristan Schwandke verteidigt Deutschen Meistertitel erfolgreich

Mit 73,23 Metern zum Saisonauftakt und Trainingsweiten zwischen 74 und 75 Metern schien für den Athleten vom TV Hindelang  der Titel so ziemlich sicher. Denn aktuell wirft kein anderer deutscher Hammerwerfer in diesem Weitenbereich. Doch vor Gericht, auf hoher See und im Sport ist so ziemlich alles vorstellbar und möglich. Drei Wochen vor den Deutschen Leichtathletikmeisterschaften in Braunschweig am 8. und 9. August verletzte sich Tristan so, dass er zwei Wochen komplett aussetzen musste und bis zum Wettkampf am letzten Samstag und drei Trainingseinheiten in Schonhaltung absolvieren konnte. Das Gefühl für den Hammer war ebenso wie der Rhythmus beim Drehen innerhalb der kurzen Zeit nicht wieder abzurufen. Weiten von 65 und 66 Metern ließen Zweifel aufkommen, ob ein Start überhaupt sinnvoll war, denn an eine Titelverteidigung war so überhaupt nicht mehr zu denken. Und auch eine Medaille war in weite Ferne gerückt.

Schwandke entschloss sich dennoch für eine Teilnahme an den publikumslosen “Geistermeisterschaften” im Braunschweiger Eintrachtstadion. Schwache Einwürfe und anschließende Weiten um die 66 Meter ließen nichts Gutes ahnen. Nachdem der erst 18-jährige Merlin Hummel ihn dann erstmals überholte, konnte Schwandke sich im 5. Wurf mit 68,74 auf Platz 1 positionieren; eine Weite, die jenseits seines üblichen Niveaus liegt, aber in diesem Wettkampf gar nicht so schlecht war. Im entscheidenden 6. Durchgang witterte Merlin Hummel seine große Chance auf den Meistertitel. Mit 69,53 Metern übernahm er jetzt klar die Führung. Was blieb, war der letzte Wurfe Schwandkes. 

Nicht korrekt angedreht, den falschen Winkel erwischt, Fehler in der Rotation, ein Netzwurf oder einer jenseits des Sektors, die Möglichkeiten, jetzt den Titel abzugeben, waren so vielfältig wie die nervliche Belastung. Es gleicht der Aufregung des Elfmeterschützen im entscheidenden Moment des Spiels. Und neben den technischen Feinheiten muss am Ende natürlich auch die Weite stimmen. Für manch einen wäre bereits beim Betreten des Rings alles verloren gewesen; nicht so für Tristan. Konzentriert schaute er sich im Ring vor dem Start um, visierte die 70-Meter-Linie des Wurfsektors und setzte alles auf eine Karte. Dem Tüchtigen steht das Glück zur Seite, heißt es, in diesem Fall kamen Können, Routine und Glück zusammen. Mit souveränen 70,85 Meter holte sich Tristan Schwandke zum zweiten Mal in Folge den deutschen Meistertitel im Hammerwerfen und setzte so seine Erfolgsserie fort. Auf die Frage, ob er zufrieden gewesen sei, bezieht er klar Stellung:”Ich bin mehr als zufrieden. Mit meiner Verletzung und lediglich drei Trainingseinheiten im Vorfeld der Meisterschaften, war es für mich klar, dass ich in Braunschweig scheitern könnte, zumal mit Merlin Hummel und Fabio Heßling zwei Werfer am Start waren, die über 70 Meter werfen können, wenn auch noch keiner von ihnen 70,85 Meter geworfen hatte. Dass Merlin seine Chance mit Kühnheit nutzen würde, wusste ich. Ich machte mir aber vor dem letzten Wurf auch immer wieder bewusst, dass es an den vorgelegten 69,53 Metern nicht scheitern sollte; von einem so jungen Athleten jetzt einfach geschlagen zu werden, dass war einfach keine Option für mich. Insofern legte ich alles in den letzten Wurf, gewann Gold und bin trotz der bescheidenen Weite hochzufrieden. Jetzt konzentriere ich mich auf die Wiederherstellung meiner Gesundheit und denke, dass ich auch in diesem Jahr noch meine persönliche Bestleistung von 74,03 Metern steigern und dann in die Vorbereitung auf die Olympischen Spiele im nächsten Jahr gehen kann.”

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